Amerika korrigiert Mark Twain und erlaubt Tom Sawyer wieder an den Schulen

Wer kennt sie nicht: Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Die Bücher von Mark Twain wurden innerhalb kürzester Zeit zu Bestsellern und waren auch schon bald in einer deutschen Übersetzung verfügbar. In den Schulen gehörten sie zur Pflichtlektüre, bis die Diskussion über inhaltlichen Rassismus Ausmaße annahm, welche die Verbreitung eines literarischen Werkes, in dem die Worte „Nigger“ und „Rothaut“ vorkamen, nicht mehr erlaubte.

Nun werden aber die Schüler der Vereinigten Staaten wieder offiziell über Tom Sawyers Abenteuer lachen dürfen, da Mark Twain’s Bücher jetzt politisch korrekt übersetzt wurden. Das sogenannte N-Wort, welches 219-mal vorkam, wurde durch den Begriff „Sklave“ ersetzt. Das Wort „Injun“, was so viel wie Rothaut bedeutet, ist in der neuen Fassung als „Indian“ übersetzt.

Die umstrittene Korrektur von Twains Werk

Aktivisten und linke Politiker haben seit einiger Zeit die Zensierung gefordert, da sie den Kindern die Bücher einerseits nicht vorenthalten, sie andererseits aber auch nicht mit den diskriminierenden Worten „Rothaut“ und „Nigger“ konfrontieren wollten. Letztes Jahr kam nun die korrigierte Fassung auf den Markt, welche aber nicht kritiklos hingenommen wurde. Der schwarze Bürgerrechtler und Schriftsteller Ishmael Reed kritisierte, dass die Übersetzer den Inhalt der Bücher nicht richtig verstanden hätten und dass durch die Zensur auch ein Stück Tiefgang verloren ging. Er glaubt nicht, dass die Zensoren die Bücher wirklich gelesen haben, denn sonst wäre die Zensur anders gemacht worden. Man korrigiere ja schließlich auch keine Liedtexte schwarzer Autoren und der Hip-Hop würde gar nicht existieren, wenn man diese Wörterjagd konsequent durch alle Texte fortführen würde, so Reed. Nur wer Twains Werke sorgfältig liest und analysiert, sieht, dass er kein Rassist gewesen sein kann, sondern einfach seine Werke im Originalton der Südstaaten verfasst hat. Mit der Korrektur wurde seiner Sozialkritik die Substanz genommen, was einen herben Verlust für das Werk bedeutet.

Bilderquelle: en.wikipedia; Link

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