Literatur: Neuromantik

Die Neuromantik ist eine literarische Gegenströmung zum Naturalismus und wurde am Ende des 19. Jahrhunderts geprägt. Sie setzte sich in einem geistig breiten Umfang mit der Romantik auseinander und griff deren Themen und Motive wieder auf. Besonders beliebt waren Märchen, Mythen, Träume, exotische und religiöse Stoffe. Anthologien und Neuausgaben der romantischen Werke wurden während dieser Epoche geschrieben. Neuromantische Dichter liebten Schauplätze wie das Mittelalter und die Renaissance und Harmonie sowie Gefühle wurden wie in der Romantik zu einem zentralen Thema in der Literatur. Doch noch mehr als von der Romantik wurde die Strömung vom französischen Impressionismus, der Dekadenzdichtung und dem Symbolismus beeinflusst.

Der George-Kreis bestand aus Vertretern der Neuromantik, welche sich um den Dichter Stefan George gruppierten. Durch seine Zeitschrift „Blätter für die Kunst“ erhielt er viele Anhänger, welche ihn als geistlichen Führer verehrten. Es bildete sich ein Kreis, welcher durch die Lehrtätigkeit seiner Mitglieder an deutschen Universitäten auch Einfluss auf die deutsche akademische Jugend nahm. Mit Georges Tod 1933 löste sich der Kreis auf, wobei die ehemaligen Mitglieder ihre Ideen noch für mehrere Jahre am Leben erhielten. Stefan George hatte aber nicht nur Anhänger, sondern auch geliebte Jünglinge. Der Erste von vielen war Friedrich Gundolf. Als Maximilian Kronberger, einer seiner Nachfolger, 16-jährig an Meningitis starb, wurde er als Mythos hochstilisiert. Neben dieser kultischen Verehrung wurde der George-Kreis mit der Zeit eine Gruppierung elitär denkender Literaten.

Ein prägender und heute noch weithin bekannter Schriftsteller der Neuromantik ist Rainer Maria Rilke. Der 1926 verstorbene Rilke war einer der bedeutendsten deutschen Lyriker überhaupt. In der Anfangsphase seines literarischen Schaffens war Lou Andreas-Salomé eine wichtige Bezugsperson, Geliebte, Muse und Mutter in einem. Er reiste nach Paris, wo er sich mit dem Leben der Maler Auguste Rodin und Paul Cezanne auseinandersetzte. Als Dichter wurde er von Schopenhauer und Nietzsche inspiriert und bis heute finden sich seine Werke in jedem deutschen Schullesebuch.

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