Literatur: Romantik

Als Romantik wird in der Literaturgeschichte die Epoche bezeichnet, die ab Ende des 18. Jahrhunderts auf die Klassik folgte und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ragte. Die Romantik lässt sich als direkte Gegenreaktion auf die Klassik ansehen, denn das von ihr beschworene Ideal einer Welt von freien und souveränen Menschen wurde von den mächtigen Umbrüchen der Zeit zur Illusion degradiert. Zurück blieb ein zutiefst verunsicherter Mensch, der sich unter immer komplizierter werdenden Bedingungen auf sich selbst zurück geworfen empfand. Unter den diffusen Bedingungen der Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress und der aufkommenden Industrialisierung, die alle traditionellen Werte infrage stellte, stellten sich vergangene Welten und die Reinheit des Denkens als Werte dar, die unwiederbringlich verloren schienen.

Der romantische Dichter Novalis charakterisierte diesen Bruch mit dem Gegensatz der Zahlen und Figuren mit den Empfindungen der Menschen. Sehnsucht, Mysterium und die Überhöhung der individuellen Gefühle wurden der Gegenstand der Romantik. Die Dichtungen Joseph von Eichendorffs verherrlichten den Geist des Übernatürlichen, der von den Menschen nur noch als Widerschein der Natur und der menschlichen Seele geahnt werden konnte. Nebelverhangene Wälder, verfallende Klosterruinen und fantastische Erfindungen wie die „blaue Blume“ oder „Toteninsel“ wurden zu den Symbolen der verinnerlichten Welt der Romantik. Selbst der kritischste Geist der Romantik, Heinrich Heine, war in seinen Dichtungen vor den traurigen Anwandlungen nicht gefeit.

Die rückwärts gewandte Weltsicht brachte jedoch auch Bestrebungen wie die der Gebrüder Grimm hervor, kulturelles Gut in Märchen zu bewahren, faktisch die Geschichten aus der Kindheit der Menschheit vor dem Vergessen zu retten. Die dunkle Seite der Romantik entwickelt zudem noch eine sehr zugkräftige literarische Gattung, wie sie in den mystischen Erzählungen des E. T. A. Hoffmann zum Ausdruck kam. Gespenster, der Pakt mit dem Teufel oder der Wahnsinn wurden Metaphern, die das Verlorensein der Menschen in unheimlichen Mächten beschrieben. Aus diesen Anfängen entwickelten sich im 19. Jahrhundert dann so faszinierende Geschichten wie die von Edgar Allan Poe oder das Dracula-Thema.

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