Literaturgeschichte

Die Literaturgeschichte beginnt nicht erst mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Als Literatur gilt ursprünglich das überlieferte Wort, also Texte im allgemeinen Sinne. Der Begriff „Literatur“ als Bezeichnung für eine künstlerische Form prägte sich erst im 19. Jahrhundert richtig aus. Aber schon seit Jahrtausenden werden literarische Stoffe wie das Gilgameschepos oder die Antiken Dramen der Griechen überliefert. In Deutschland kennt man das Hildebrandt- und das Nibelungenlied, die als Handschriften verfasst wurden, doch auch die Schriften der mittelalterlichen Mystiker wie die der Hildegard von Bingen. Die Handschriften waren nur den kirchlichen und höfischen Kreisen zugänglich, kaum jemand sonst konnte lesen.

Mit dem Buchdruck wurde die Literatur für alle zugänglich und insbesondere das aufstrebende Bürgertum bemächtigte sich der Literatur, um eine eigene Öffentlichkeit herzustellen. Charakteristisch dafür ist das Zeitalter der Aufklärung, als Vernunft und kritischer Geist die „alte Welt“ infrage stellten. Im 18. Jahrhundert ging diese Bewegung in eine starke emotionale Phase über, den sogenannten Sturm und Drang. Der Nationaldichter Friedrich Schiller zählt zu den bedeutendsten Vertretern, zusammen mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe begründete er jedoch auch die Klassik. Goethes „Faust“ gilt als Sinnbild dieser Epoche, die mit dem Ende des 18. Jahrhunderts in die Romantik überging. Sie war eine rückwärts gewandte Empfindung, in der Vergangenes idealisiert wurde – eine unbewusste Reaktion auf die komplizierter werdenden Bedingungen unter dem Einfluss der Industrialisierung.

Immer mehr spiegelte die Literatur gesellschaftliche Zustände direkt wider. Zeitgleich entstand im 19. Jahrhundert die Gegenbewegung – die Trivialliteratur. Mit dem technischen Fortschritt stiegen die Möglichkeiten der Verbreitung von Literatur, mit dem wachsenden -Bildungsgrad der Bevölkerung auch deren Konsum. Die Massenmedien entstanden – zuerst Zeitungen, dann Film und Fernsehen, jetzt die digitale Welt. All diese Bedingungen haben auch die Literatur immer wieder neu geprägt. Letztendlich ist Literaturgeschichte nicht nur die Reihung großer Werke oder das Auftreten großer Autoren, sondern auch die Beschreibung der Bedingungen, unter denen sie entsteht.

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